Bild: VD-17
„Echte, tiefgreifende Veränderungen – solche, die die Kultur und die Praxis einer Schule transformieren – lassen sich nicht ´top down´ verordnen, sondern müssen von den Beteiligten und ausgehend von einer gemeinsamen Vision angestoßen werden.“
– Sliwka, Anne und Klopsch, Britta: Das lernende Schulsystem, Weinheim: BELTZ, 2024.
Dieses Dossier gibt dir einen kompakten Überblick über die digitalisierungsbezogene Gestaltung von Schulentwicklungsprozessen. Du erfährst dabei mehr über das Hamburger Projekt „Voll digitalisierte Schule“ und die dort gesammelten Erkenntnisse. Die hier zusammengestellten Impulse und Erfahrungen können so zum Ausgangspunkt für die digitale Transformation an deiner Schule werden, an dem ihr gemeinsam weiterlernen könnt.
Das Projekt „voll digitalisierte Schule“
Die Leitperspektive „Leben und Lernen in einer digital geprägten Welt“ prägt unsere aktuellen Bildungspläne als roter Faden für Bildungs- und Erziehungshandeln. Sie soll Schüler:innen und Lehrkräften beim Lernen und Lehren unter den Bedingungen der Digitalität die Richtung weisen und ist ein wesentlicher Aspekt zeitgemäßer Bildung. Im Zuge dessen wurde in Hamburg über einen Zeitraum von zwei Jahren (Frühjahr 2023 bis Sommer 2025) das Projekt „voll digitalisierte Schule“ durchgeführt. Es nahmen 12 nach festen Kriterien ausgewählte Schulen teil (u.a. Sozialindex, Bezirk, Nutzung eines Lernmanagementsystems). Zu den Projektschulen gehören sechs Grundschulen, vier Stadtteilschulen und zwei Gymnasien. Das Projekt entstand in Folge eines bürgerschaftlichen Ersuchens und wurde vom Referat „Pädagogische Fragen der Digitalisierung“ (VD 17) der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung Hamburg begleitet. Metaziel war es, Erkenntnisse für die weitere digitale Schul- und Unterrichtsentwicklung zu gewinnen.
Organisatorischer Rahmen und Projektbegleitung
Im Rahmen des Projekts wurden alle Schüler:innen mit einem digitalen Endgerät ausgestattet. An den Grundschulen wurde damit ab Jahrgang 3 begonnen. Alle Projektschulen entschieden sich durchgehend für die Nutzung von Tablets. Ein regelmäßiger Austausch fand über einen Kurs im lms.lernen.hamburg und auf mehreren Netzwerkwerktreffen der Projektschulen statt. Außerdem standen den Projektschulen pädagogisch-technische Berater des LI Hamburg in der ersten Projektphase zur Seite. Es wurden zudem Fortbildungsangebote vermittelt. Jede Schule erhielt im Projektzeitraum vier Wochenarbeitszeitstunden für Fortbildungen und Konzeptarbeit.
Es geht weder alleine noch von heute auf morgen
Die Schulen wuchsen über einen Zeitraum von zwei Jahren zu einem verlässlichen Netzwerk zusammen. Sehr schnell wurde allen Beteiligten deutlich: Im Alleingang geht es nicht – und das muss es auch nicht. Alle teilnehmenden Schulen sahen sich mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert: organisatorisch (Wie lassen sich so viele Geräte effizient einrichten und warten?), technisch (Welches MDM-Profil ist das richtige?), rechtlich (Was geschieht bei Schaden oder Verlust?) und didaktisch (Wie können die Geräte sinnvoll und gewinnbringend im Unterricht eingesetzt werden?). Das sind nur vier von zahlreichen „harten Nüssen“, auf die alle Schulen (unabhängig vom Projekt) bei der digitalen Schul- und Unterrichtsentwicklung regelmäßig stoßen – und mit denen sie sich häufig ohne systematische Vernetzung mit anderen Schulen auseinandersetzen.
Digitale Transformation ist ein Prozess, der Zeit und Energie kostet. Also warum nicht Wissen teilen und auf gemeinsame Erfahrungen zurückgreifen? Doch nicht nur zum Nutzen von Synergien war das Netzwerk von Vorteil. Auch emotional bot es den beteiligten Lehrkräften Halt und Sicherheit. Denn wer gemeinsame Ziele verfolgt, trifft auf Gleichgesinnte und kann Erfolge und Niederlagen teilen. An dieser Stelle lässt sich bereits eine wesentliche Erkenntnis aus dem Projekt ableiten: Wenn du wirksam etwas verändern möchtest, schließe dich mit anderen zusammen.

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Einblicke in die Projektschulen
In den folgenden Beiträgen werden dir die teilnehmenden Projektschulen etwas näher vorgestellt. Der digitale Wandel betrifft alle Schulen in Hamburg. Wie eingangs jedoch bereits ausgeführt wurde: Oft machen alle „alles“ anstatt arbeitsteilig zusammenzuarbeiten. Kooperative Zusammenarbeit, bei der Wissen und Materialien geteilt und idealerweise gemeinsam ko-konstruktiv erarbeitet werden, setzt voraus, dass entsprechende Strukturen geschaffen werden. Das bedeutet zunächst einen höheren Zeitaufwand, als einfach im gewohnten Rahmen weiterzuarbeiten. Doch diese Investition lohnt sich auf lange Sicht. Die Projektschulen möchten deshalb ihre Erfahrungen mit euch teilen und dazu ermutigen, vernetzt zu arbeiten. Zu diesem Zweck haben sie ausgewählte Produkte und Konzepte aus dem Projekt für euch aufbereitet und stellen sie zur Verfügung.
Die hier verlinkten Angebote der Schulen sind eine wertvolle Unterstützung aus der Praxis. Sie wurden von unseren Redakteur:innen sorgfältig gesichtet und ggf. ausprobiert; für externe Links, Aktualität und die Nutzung im Einzelfall übernehmen wir jedoch keine Verantwortung.










Digitalisierungsbezogene Schulentwicklung kompetent steuern
Im Projekt zeigte sich immer wieder: Die Verknüpfung von pädagogischen Konzepten mit der schuleigenen IT-Infrastruktur bildet das Fundament für eine zukunftsorientierte digitale Schulentwicklung. Um so wichtiger ist es, die digitale Transformation an der eigenen Schule zielorientiert zu steuern. Eine systemische und langfristige Planung durch schulinterne Funktionsträger wie Mitglieder des Schulleitungsteams und Schul-Admins – kooperativ und Ressourcen gestützt – ist dabei unerlässlich. Nach dem Hamburger Konzept der selbstverwalteten Schule obliegt der Steuerungsspielraum dabei den Schulleitungen. An dieser Stelle möchten wir auf das Forschungsprojekt „GuTe DigiSchulen NRW“ hinweisen. Es bietet einen praxisorientierten Leitfaden zur erfolgreichen Digitalisierung an Schulen. Besonders hilfreich sind dabei die explizit aufgeführten Gelingensbedingungen und Stolperstellen, an denen sich auch Hamburger Schulen gut orientieren können.
Es lohnt sich insbesondere für Schulleitungen, Medienverantwortliche und schulische IT-Admins die Handreichung zum Forschungsprojekt gründlicher anzuschauen. Einen ersten Eindruck für Mitglieder des Schulleitungsteams bekommst du im folgenden Video. Es wurde mit NotebookLM erstellt. Zu diesem Tool findest du weitere Informationen hier.
Ein Resümee zum Schluss
Gute Digitalisierung in Schule wird oft als Ausnahme oder Besonderheit herausgestellt. Doch sie erschöpft sich nicht darin, dass wir unseren Kolleg:innen neue Tools oder Technologien vorstellen. Wenn wir den Blick direkt in die Schule vor Ort richten, ist es nicht allein Sache der Medienverantwortlichen oder Schul-Admins, die digitale Transformation in der Schule voranzutreiben. Neben dem schulischen Backend – also Behörde, Landesinstitut und Schulaufsichten – kommt insbesondere der Schulleitung eine Schlüsselrolle zu. Sie ist dafür verantwortlich, die digitale Schulentwicklung kontinuierlich mitzudenken, im Kollegium auf mehrere Schultern zu verteilen, ihr zeitliche Ressourcen einzuräumen und sie so gezielt zu steuern. Am wirkungsvollsten gelingt dies, wenn Lehrkräfte und Schulleitungen sich schulübergreifend austauschen und zusammenarbeiten. So muss nicht jede und jeder alles allein bewältigen, was Kräfte und Ressourcen schont. Durch arbeitsteilige Zusammenarbeit können Synergien genutzt werden. Da Digitalisierung längst zum festen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden ist, müssen wir alle sie auch in der Schule stets auf übergeordneter Ebene systemisch mitdenken, um unserer zentralen Aufgabe gerecht zu werden: Schüler:innen zu einer selbstbestimmten Teilhabe an der Welt zu befähigen. Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen.
Du möchtest mit deiner Schule auch mit anderen Schulen vernetzt zusammenarbeiten?
ARIC CoP KI
- In der Hamburger CoP (Community of Practice) KI & Schule denken Lehrkräfte über den Einsatz von KI in der Schule gemeinsam nach. Dabei geht es um einen digitalen Austausch auf Augenhöhe. Zusammen sollen innovative Unterrichtssettings mit KI diskutiert, erprobt und reflektiert werden. Hier erfährst du mehr darüber.
DMS-MeetUp
- Das „DMS-MeetUp“ vernetzt hamburgweit Kolleg:innen zur digitalen Schulentwicklung. Pro Termin dieser hybriden Veranstaltungsreihe gibt es ein bestimmtes Digitalthema mit praxisnahem Input an einer gastgebenden Schule, damit Teilnehmende konkrete Ideen für die eigene Arbeit mitnehmen können. Du willst über zukünftige MeetUps informiert werden? Bitte wende dich dazu formlos an florian.reche@bsfb.hamburg.de.
Umfrage – Wie sieht ein Netzwerk aus, das dir nützt?
- Du hättest Lust mit anderen Schulen, die auf einem ähnlichen Entwicklungsstand sind wie deine Schule, zusammen digitale Schulentwicklung weiterzudenken? Gemeinsam gezielt Strategien, Konzepte und Materialien kooperativ zu entwickeln? Uns interessieren eure Haltung und euer Bedarf zum Thema Netzwerk. Deine Teilnahme an der unten stehenden Umfrage hilft uns dabei, in Zukunft noch genauer zu verstehen, was Hamburger Schulen in dieser Hinsicht brauchen.

