Bild: Screenshot 1 von einem individuellen Kompetenzprofil
Wie Open Educational Badges Lernen sichtbar machen
In der aktuellen Bildungsdiskussion wird zunehmend ein „Neues Lehren und Lernen“ gefordert. Auch das im Oktober 2025 erschienene Buch „Das könnte Schule machen“ von Stefan Ruppaner schlägt diese Richtung ein: weg von der lehrerzentrierten Wissensvermittlung des 20. Jahrhunderts, die der wachsenden Heterogenität der Schülerschaft kaum noch gerecht wird, hin zu einem kompetenzorientierten Ansatz, der die Stärken, Interessen und das individuelle Lerntempo der Kinder in den Mittelpunkt stellt. Damit rücken sowohl fachliche als auch überfachliche Kompetenzen (hierbei insbesondere die sogenannten „future skills“, die „4K“) ebenso wie digitale Kompetenzen stärker in den Fokus des Unterrichts. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich diese vielfältigen Kompetenzen sichtbar, anerkennbar und dokumentierbar machen lassen.
Eine mögliche Antwort darauf bieten die Open Educational Badges (OEB): Schulen können mit OEB digitale Badges vergeben, um Kompetenzen und Lernleistungen ihrer Schüler:innen zu visualisieren – auch jenseits klassischer Noten. Die Plattform ist niedrigschwellig nutzbar, unterstützt den Aufbau individueller Kompetenzprofile und liefert zugleich wertvolle Impulse für die Schul- und Unterrichtsentwicklung.
Im Folgenden erfährst du, was „Open Educational Badges“ sind, welche Funktionen die Plattform bietet und wie du sie konkret in deiner Schule einsetzen kannst.
Was sind Open Educational Badges?
Bei OEB (Open Educational Badges) handelt es sich um eine digitale Plattform, auf der du verschiedene Formen von Badges erstellen kannst (s.u. Screenshot 2). Badges sind digitale Auszeichnungen, die ähnlich wie Zertifikate für die Teilnahme an Veranstaltungen von Institutionen unkompliziert erstellt und vergeben werden können – für Online-Formate ebenso wie für Angebote in Präsenz. Lernende erhalten ihre Badges als ausdruckbares PDF oder sammeln sie digital in ihrem persönlichen „Rucksack“ (mehr dazu weiter unten). OEB ist DSGVO-konform und für Schulen kostenlos nutzbar.
Welche Features hat OEB?
Du kannst zwischen drei „Badge-Kategorien“ wählen:

Der Teilnahme-Badge entspricht im Wesentlichen einer Teilnahmebescheinigung, beim Kompetenz-Badge analysiert ein KI-Assistent dein Lernangebot und schlägt dir automatisch passende Kompetenzen aus der europäischen Kompetenzdatenbank ESCO (European Skills, Competences, Qualifications and Occupations) vor. So werden die Badges europaweit einheitlich verstanden – sogar auch von Arbeitgebern, Bildungseinrichtungen und Jobplattformen. Als dritte Möglichkeit lassen sich mehrere Badges zu einem Lernpfad verbinden. Wenn Teilnehmende dort alle Badges erworben haben, erhalten sie dafür einen Micro Degree.
Mit dem intuitiven Badge-Editor inklusive Icon-Bibliothek erstellst du mühelos professionelle, standardisierte Badges für jedes Lernformat, wobei automatisch das Logo deiner Institution im Badge-Bild ergänzt wird.

Die Vergabe der Badges erfolgt per E-Mail. Liegen die E-Mail-Adressen der Lernenden nicht vor, so wählst du bei der Badge-Vergabe die Option „QR-Code-Vergabe“ und gelangst dadurch zu einem Formular (s. Screenshot 3) mit dessen Hilfe sich ein QR-Code erstellen lässt. Auf diese Weise können deine Schüler:innen ihre E-Mail-Adressen unkompliziert selbst über den erstellten QR-Code eingeben, sodass du anschließend die Badge-Anfragen in OEB datensicher und mit nur einem Klick bestätigt kannst.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, beim Service von OEB anzufragen, dass OEB über ein Plugin ins bestehende LMS integriert wird: In diesem Fall können deine Schüler:innen über ihren LMS-Zugang zu OEB gelangen und dort auf ihren individuellen digitalen „Rucksack“ zugreifen. Alle jemals erhaltenen Badges werden dort automatisch gesammelt (s. Screenshot 4). Auf dieser Basis entstehen unter dem Menüpunkt „Kompetenzen“ (s. oben in Screenshot 4) automatisch individuelle Kompetenzprofile (so wie oben in Screenshot 1).
Bild: Screenshot 4 „Rucksack mit Badge-Sammlung“
Wie nutzt du Badges konkret in der Schule?
Du kannst Badges an Lernende vergeben, wenn sie bestimmte Kompetenzen erworben, Projekte abgeschlossen oder außerschulische Lernleistungen erbracht haben – zum Beispiel im Rahmen von AGs, im Makerhub/ Makerspace oder durch besonderes Engagement im Schulalltag. Ein konkretes Praxisbeispiel ist der erfolgreiche Einsatz von OEB im Rahmen der letzten Code Week am Gymnasium Osterbek (mehr dazu im Gastbeitrag hier im infoPortal).
Denkbar ist auch ein Arbeiten mit Kompetenzrastern, in denen mehrere fachliche Kompetenzen zu einem Micro-Degree innerhalb deines Unterrichtsfachs zusammengefasst werden. Auf diese Weise wird Lernen jenseits der klassischen Notenstruktur sichtbar und kann wertgeschätzt und anerkannt werden.
Wenn deine Schüler:innen den digitalen „Rucksack“ (s.o.) nutzen, bauen sie über die Zeit ein individuelles Kompetenzprofil auf. Das verschafft dir einen guten Überblick über den Lernstand jedes einzelnen Kindes und unterstützt dich dabei, deine Lernenden gezielt zu begleiten und gemeinsam nächste Lernschritte zu planen. Überdies können die Badges in Sammlungen (wie in einem Portfolio) organisiert und beispielsweise für Praktika, Ausbildung oder Bewerbungen genutzt werden.
Auch für deine Schule bietet OEB Mehrwert: Durch die systematische Vergabe von Badges könnt ihr Daten zur Kompetenzentwicklung auswerten und mögliche Trends erkennen – etwa in Bezug auf Förderbedarfe – was wertvolle Impulse für die Schul- und Unterrichtsentwicklung liefern kann.
Beim Einsatz von Open Educational Badges lohnt es sich, im Kollegium gemeinsam festzulegen, welche Kompetenzen ausgezeichnet werden sollen und nach welchen Kriterien die Badges vergeben werden. Klare Absprachen, transparente Vergaberegeln und eine gute Einbettung in bestehende Unterrichts- und Schulkonzepte sorgen dafür, dass Badges sinnvoll genutzt werden und ihre Wirkung entfalten. Sind diese Grundlagen geschaffen, bieten euch die OEB eine einfache und flexible Möglichkeit, Lernen sichtbar zu machen und Kompetenzorientierung ganz praktisch umzusetzen – ein Ansatz, der neugierig macht und zum Ausprobieren einlädt:


