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Ein Schulfach zwischen Technik, Kreativität und Nachhaltigkeit
Wie kann Schule junge Menschen auf eine Welt vorbereiten, die von Digitalisierung, gesellschaftlichem Wandel und nachhaltigem Handeln geprägt ist? Das Gymnasium Süderelbe geht mit dem neuen Wahlpflichtfach Making einen besonderen Weg. Gastautorin Miriam Osterwold gibt Einblicke in die Ziele, Projekte und Erfahrungen des ersten Schuljahres.
Ein Gastbeitrag von Miriam Osterwold, Abteilungsleiterin 8-10 am Gymnasium Süderelbe

Making als neues Wahlpflichtfach
Mit dem Wahlpflichtfach Making haben wir in den Jahrgängen 9 und 10 zum Schuljahr 2025/26 ein innovatives und bisher einzigartiges Unterrichtsformat geschaffen, das technisches, kreatives und nachhaltigkeitsorientiertes Lernen miteinander verbindet. Ziel des Faches ist es, unsere Schüler:innen gezielt auf die Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Welt vorzubereiten und ihnen zentrale Zukunftskompetenzen zu vermitteln. Dazu gehören insbesondere die „4K-Kompetenzen“ – Kommunikation, Kooperation, Kreativität und kritisches Denken – sowie digitale, handwerkliche und gestalterische Fähigkeiten.
Lernen durch Design Thinking und positive Fehlerkultur
Das Fach zeichnet sich vor allem durch seinen hohen Praxisbezug aus. Unsere Schüler:innen arbeiten projektorientiert, entwickeln eigene Ideen, bauen Prototypen und lernen durch Ausprobieren, Reflektieren und Weiterentwickeln. Grundlage des Unterrichts ist das Prinzip des Design Thinking mit den Phasen Verstehen – Beobachten – Ideen entwickeln – Prototypen bauen – Testen. Dabei verbindet Making verschiedene Fachbereiche wie Informatik, Kunst, Mathematik, Physik und Design miteinander und schafft so ein Lernen über klassische Fachgrenzen hinaus.
Die Erfahrung in diesem Schuljahr zeigt, dass sich die Etablierung einer positiven Fehlerkultur besonders nachhaltig auf die Lernentwicklung unserer Schüler:innen auswirkt. In kaum einem anderen Fach dürfen sich die Lernenden derart in einen Entwicklungsprozess vertiefen, den man manchmal auch als „besser scheitern“ bezeichnen könnte, in dem sie alles ausprobieren dürfen und es keine Musterlösung gibt. Das lässt die Schüler:innen über sich hinauswachsen.
Digitale Technologien, handwerkliches Arbeiten und BNE

Besonders einzigartig ist zudem die Kombination aus digitalen Technologien und handwerklicher Arbeit: Unsere Schüler:innen arbeiten unter anderem mit 3D-Druckern, Lasercuttern, CAD-Programmen, Mikrocontrollern und Nähmaschinen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Faches liegt auf nachhaltigem Denken und verantwortungsvollem Handeln. Viele Projekte orientieren sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und beschäftigen sich mit Themen wie Upcycling, ressourcenschonender Produktion, Klimaschutz oder nachhaltiger Energieversorgung. Gleichzeitig fördert das Fach Teamarbeit, Eigeninitiative, Problemlösekompetenz und – wie oben bereits erwähnt – eine positive Fehlerkultur, bei der Lernprozesse und Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen.
Praxisbeispiel: Ein nachhaltiger Traktor der Zukunft
Besonders eindrucksvoll zeigen dies die Projekte unserer Schüler:innen. Eine Projektgruppe entwickelt derzeit ein ferngesteuertes Modell des „Claas Xerion 5000“ im Maßstab 1:12,5. Unter dem Titel „Ein Modell für einen innovativen Traktor der Zukunft“ arbeiten die Lernenden mit einem Arduino Uno R3 sowie zwei batteriebetriebenen Elektromotoren an einem nachhaltigen Landwirtschaftsmodell. Mithilfe von 3D-Druck und Lasercutting entstehen Zahnräder, Getriebe, Achsschenkel und Rahmenteile.

Das Projekt verbindet Programmierung, Mechanik, Design und Handwerk und zeigt gleichzeitig, wie moderne Technologien zu einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft beitragen können. Die Schüler:innen setzen sich dabei intensiv mit nachhaltiger Energieversorgung, Elektromobilität und Klimaschutz auseinander und erleben, wie wichtig Teamarbeit und gemeinsames Problemlösen für den Projekterfolg sind.
Praxisbeispiel: Upcycling statt Textilverschwendung
Ein anderes Projekt beschäftigt sich mit dem Thema ‚Upcycling und nachhaltiger Konsum‘. Die Schülerinnen haben dabei aus alten Jeansstoffen moderne recycelte Taschen entwickelt. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass an der Schule große Mengen ungenutzter Stoffreste vorhanden sind. Ziel des Projekts ist es gewesen, aus recycelten Materialien ein praktisches und stilvolles Produkt zu gestalten und gleichzeitig auf die Problematik der weltweiten Textilverschwendung aufmerksam zu machen. Unsere Schülerinnen haben sich dabei mit den Folgen der Fast-Fashion-Industrie auseinander gesetzt und zu den Auswirkungen von Textilmüll in Ländern wie Ghana, Kenia und Tansania recherchiert. Inspiriert durch Informationen von Greenpeace ist die Vision entstanden, aus dem Projekt langfristig eine Schüler-AG zu entwickeln, die weitere Upcycling-Produkte herstellt und beispielsweise auf Schulflohmärkten verkauft. So verbindet das Projekt kreatives Design mit nachhaltigem Handeln und gesellschaftlicher Verantwortung.

Weitere Projekte für individuelle Interessen
Darüber hinaus bietet das Fach zahlreiche weitere Projektmöglichkeiten, beispielsweise die Entwicklung von Escape Games, Brettspielen, digitalen Schulprojekten, modularen Sitzsystemen, Smart-Farming-Konzepten oder technischen Lösungen zur Lärmmessung. Dadurch können die Lernenden eigene Interessen verfolgen, neue Technologien erproben und praxisnah erfahren, wie kreative Ideen zu realen Lösungen werden.
Insgesamt zeigt das Fach Making eindrucksvoll, wie zeitgemäßes Lernen aussehen kann: interdisziplinär, praxisnah, nachhaltig und zukunftsorientiert. Es ermöglicht unseren Schüler:innen nicht nur den Erwerb technischer und digitaler Kompetenzen, sondern stärkt auch ihre Selbstständigkeit, Kreativität, Teamfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung.
Making von Schüler:innen für Schüler:innen
Neben der Implementierung des Schulfachs Making für die 9. und 10. Klassen ist eine Making-AG ins Leben gerufen worden, die von Making-erfahrenen Schüler:innen geleitet wird. Die AG richtet sich vorrangig an unsere jüngeren Schüler:innen der Jahrgänge 5 bis 7, um sie spielerisch an Making und das Tüfteln heranzuführen sowie ihr Interesse daran zu wecken, später selbst das Fach Making zu wählen. In der AG werden die Lernenden nicht nur an Maschinen wie den Lasercutter und den 3D-Drucker herangeführt, sondern auch an Projektentwicklung und Teamarbeit. Ein Team entwickelt beispielsweise gerade ein Bewässerungssystem für die schuleigenen Hochbeete, damit diese auch während der Ferien in Abwesenheit von Schüler:innen sowie Lehrkräften bewässert werden können. Die Hochbeete wurden vom Wahlpflichtkurs der EU-Botschafter:innen gebaut und bepflanzt. Dieser interdisziplinäre Ansatz, der über Themen- und Fächergrenzen hinausgeht, wird in der AG bereits abseits von Notendruck und fachlichem Schubladendenken praktiziert.
In unserem “Schaufenster in Schule” stellen wir euch regelmäßig gelungene Beispiele der digitalen Schul- und Unterrichtsentwicklung aus Hamburger Schulen vor. Frei nach dem Motto: “Stöbern, Entdecken, Ausprobieren und Vernetzen!”, wollen wir euch dazu anregen, voneinander zu lernen und eure Schulen gemeinsam digital zu entwickeln.

